EATA Konferenz Prag 2010 Drucken

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Wer hat Kafka gesehen? 

EATA Konferenz 2010 in Prag -  TA Metamorphosis – 100 Years of Erice Berne”
Ein persönlicher Eindruck von Susanne Alt, in Weiterbildung zur Transaktionsanalytikerin (Organisation)  

In der Geburtsstadt von Franz Kafka fand dieser weit über die europäischen Grenzen hinaus, gut besuchte internationale Kongress über „die Verwandlung“ der Transaktionsanalyse seit Eric Berne statt. 

Die am Freitag und Samstag am Vormittag stattgefundenen Plenumsveranstaltungen wurden in den Sälen des Pyramida Hotels durchgeführt. Für die Workshops an den Nachmittagen und am Sonntag Vormittag verlagerte sich das Geschehen in die nahegelegenen Räumlichkeiten der Johannes Kepler Schule. Neben den Themen und den Vortragenden trug das sonnig, warme Wetter seinen Teil dazu bei, es zu einem Austausch in warm(herzig)er, offener Atmosphäre zu machen. 

Dies war bereits in der Startveranstaltung „Symposium on Life Scripts“ zu spüren. Anlässlich des von Richard Erskin herausgegebenen und aktuell erschienenen Buches „Life Scripts“ diskutierten ein Teil der Autoren ihre verschiedenen Herangehensweisen an das Thema. Diesen „hochrangig“ besetzten Programmpunkt wollten sich viele nicht entgehen lassen, so dass die Zuhörer auch die Bühne besetzten – im wahrsten Sinne des Wortes.
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Der Einstieg in das Thema wurde durch Keynotes von Richard Erskin, Maria Teresa Tosi, Jo Stuthridge und Marye O´Reilly-Knapp gestaltet. Besonders hat mich die Ansprache von Marye O´Reilly-Knapp beeindruckt: Sie hat ihre Gedanken zum Thema Scriptarbeit über ihre persönlichen Erfahrungen dargelegt. Bewegende Momente entstanden, als sie sich an Lernerfahrungen mit Richard Erskin und Fanita English erinnerte. Das Gespür von Fanita, im richtigen Augenblick heilsame, Mut machende Bilder und Worte zu finden, strahlte aus dieser Erzählung heraus. Dieser Teil der Geschichte hat wohl den ganzen Saal berührt.

Die anschließende Diskussionsrunde der Redner zum Thema Life Scripts, erweitert um Fanita English und Rosemary Napper, öffnete den Fächer des Verständnisses und Umgangs mit Skript und Skriptarbeit. Durchaus kontrovers wurde anhand von verschiedenen Beispielen und in unterschiedlichen Richtungen diskutiert. Kein Wunder, dass das Buch bereits am Nachmittag des ersten Tages in der Kongressbuchhandlung vergriffen war. 

Alle Diskutanten boten am Nachmittag Workshops an, in denen sie ihre Herangehensweise zur Skriptarbeit praktisch vorstellten. Da – wie zu erwarten – diese Veranstaltungen in überfüllten Klassenräumen stattfanden, habe ich mich eher auf andere Workshops konzentriert. 

In Summe kam mir der Kongress ein wenig zu „brav“ vor. Es gab viele Angebote bekannte Konzepte und Modelle der TA mit denen anderer Richtungen zu verknüpfen. Einerseits habe ich dadurch einige Impulse für meine Arbeit mitnehmen können. Andererseits gab es für mein Empfinden zu wenig Raum für Austausch und kontroversen Diskussionen zu möglichen Weiterentwicklungen. Es entstand für mich der Eindruck, dass „die Verwandlung“, die Weiterentwicklung der TA, überwiegend in der Hereinnahme anderer Methoden besteht, und weniger aus Neuentwicklung oder Weiterführung bestehender TA-Modelle. Ohne wirklich zu wissen, wie solche Weiterentwicklungen stattfinden können, drängte sich mir doch die Frage auf: Liegt es daran, dass, ähnlich wie für Kafka der Vater, Ideen und Entwicklungen von Berne als zu mächtig und „unantastbar“ angesehen werden? Gibt es da ein Skript Thema in der TA Community? Ich bewege mich darin noch zu kurz um dies wirklich einschätzen zu können und werde es für mich weiter beobachten. 

2508_klAus diesem Grund hat mich die Präsentation des neuen EATA Research Journal angezogen. Das „International Journal of TA Research“ – kurz: IJTAR - wird einzig über Internet auf der Webseite www.ijtar.org veröffentlicht. Die erste Ausgabe ist bereits online und wartet auf uns Leser. In diesem Zusammenhang wurde das neue EATA Forschungsgremium vorgestellt, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, das Thema Forschung in der TA aktiv zu fördern und zu unterstützen. Hierzu werden zukünftig 3 Ebenen genutzt: Funding – Promoting – Networking. Es liegen bereits Richtlinien und Prozesse zur Einreichung von Forschungsprojekten vor. Am ersten Wochenende im Februar 2011 wird es eine eintägige Veranstaltung geben, in der diese neue Einrichtung vorgestellt werden soll. Diese erste Research Konferenz wird im kommenden EATA Newsletter angekündigt. Ein Veranstaltungsort wird noch gesucht. Es ist für Mai 2012 ein 3 tägiges „TA Research Atelier“ geplant. Unter anderem, soll im Rahmen dieser Veranstaltung das Thema, wie Forschung funktioniert, vermittelt werden.

 

In Summe hat mir der Kongress einen enormen Motivationsschub gegeben. Zu sehen, wie viele Menschen aus so vielen Ländern sich mit TA beschäftigen und dieses für ihre tägliche Arbeit nutzen, war beeindruckend. TA ist nicht alt und verstaubt. TA ist jung und lebendig. Nur ab und zu braucht es auch das rebellische Kind für die weitere Entwicklung;-)). 

Ich habe mir vorgenommen, mir auf der kommenden Weltkonferenz in Bilbao den nächsten Motivationsschub mit internationalem Touch zu holen. Vielleicht treffe ich dann mehr österreichsche Kolleginnen und Kollegen? Es würde mich sehr freuen!

Bilder: Prag von S. Alt, Kongressbilder von H.Schulze 2010